K├╝nstlerinnen und K├╝nstler

Ulf Aminde Geboren 1969 in Stuttgart | Lebt und arbeitet in Berlin

Portrait

Foto: Uwe Niklas, N├╝rnberg 2012

Ulf Aminde
Foto: Uwe Niklas, N├╝rnberg 2012

Die Begegnung ist f├╝r Ulf Aminde eine Vorbedingung f├╝r den k├╝nstlerischen Arbeitsprozess, eine zweite ist deren Reflexion im Sinne des epischen Theaters von Bertolt Brecht. Als Regisseur von Theater- und Performanceprojekten und Filmen arbeitet er zwar unumg├Ąnglich mit anderen Menschen, aber f├╝r ihn wird das Aufeinandertreffen seiner Interessen, Erwartungen und W├╝nsche mit jenen der anderen in besonderer Weise zum Thema und Kern seiner Produktionen

Wahlweise als Komplize, Gegner und/oder Begleiter von ÔÇ×Menschen an der Grenze zur KriseÔÇť wie solchen, die Interesse an dem Verh├Ąltnis des Einzelnen zur Gemeinschaft haben, entwickelt er gemeinsam mit ihnen Bilder, die Fragen nach Identit├Ąt, gesellschaftlicher Rolle und damit auch die eigene Position als K├╝nstler verhandeln.
F├╝r sie und mit ihnen entwirft er Settings, die als gemeinsame Versuchsanordnungen fungieren und Impulsgeber/Ausl├Âser f├╝r das weitere Geschehen sind. Was genau passieren wird, ist nicht vollst├Ąndig kontrollierbar, und die Vereinbarung lautet, dass sich alle gleicherma├čen dem Unvorhersehbaren ├Âffnen m├╝ssen.

Die Struktur seiner Arbeiten entspricht einer Pendelbewegung, in der er radikal selbst ins Zentrum des Werks r├╝ckt und sich zugleich der Unvorhersehbarkeit seiner Verwirklichung ausliefert. Er beharrt darauf, dass das Gegen├╝ber sich seinem Begehren aussetzt, genauso wie er sich mit dem Begehren seiner ÔÇ×SchauspielerÔÇť konfrontiert. Aminde erschafft Inszenierungen, welche die Geschichte dieses Verh├Ąltnisses auf unterschiedliche Weise erz├Ąhlen und in denen immer zugleich sichtbar wird, dass jeder von uns Aufmerksamkeit braucht, geliebt werden will f├╝r das, was er tut, f├╝r das, was er ist.

Seine Arbeit Frontalunterricht (2009) entstand im Rahmen der Schillertage in Mannheim, f├╝r die der K├╝nstler mit verschiedenen Gruppen, darunter auch eine von rund 20 Jugendlichen, eine Auff├╝hrung f├╝r das dortige Staatstheater erarbeiten sollte. W├Ąhrend die Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen produktiv verlief, gestaltete sich die vierw├Âchige Probenzeit mit den Jugendlichen, die aus ihren eigenen Interessen heraus ein St├╝ck entwickeln sollten, als ├Ąu├čerst problematisch. Es gelang Aminde nicht, f├╝r die Teenager zu einer ├ťbertragungsfigur zu werden, sprich, sie dazu zu bringen, selbst etwas von der gegebenen Situation zu wollen; sie verweigerten sich seinen W├╝nschen mit der Konsequenz, dass rein gar nichts entstand. Erst, als er die Gruppe auf die Probeb├╝hne des Theaters holt und ihr die Aufgabe stellt, vor laufender Kamera Ulf Aminde zu spielen, das hei├čt, das Verh├Ąltnis zu ihrem Regisseur direkt zu thematisieren, geben die Jugendlichen ihre Verweigerung sukzessive auf. Der Film, der daraus entsteht, ist nicht nur ein Portr├Ąt des schwierigen Verh├Ąltnisses zwischen Regisseur und Gruppe, sondern er verdeutlicht dar├╝ber hinaus ein strukturelles Moment in Amindes Arbeit: In verschiedenen Konstellationen gehen seine Protagonisten Beziehungen zu ihm ein, indem sie das Bed├╝rfnis, gesehen und anerkannt zu werden, sichtbar werden lassen und ihm spiegeln. Einer gibt und ein anderer nimmt, einer hat und der andere braucht. Derjenige, der etwas geben m├Âchte, braucht den, der etwas haben will, und umgekehrt. In dieser Verstrickung sind beide aufeinander angewiesen

Einzelausstellungen (Auswahl)

2012 Heidelberger Kunstverein, Heidelberg
2011 Galerie Tanja Wagner, Berlin
2010 Kunstverein Arnsberg
2009 Volksb├╝hne Berlin (theatre production)
2008 Jet, Berlin
2007 GAK Bremen
2005 Kunstverein Wolfsburg

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2011 Macht Geschichte! X Wohnungen, 16. Internationale Schillertage, Nationaltheater Mannheim
Plateaux Festival 2011, Frankfurt
Selected Artists, NGBK Berlin
2010  Urbi et Orbi, Museum Pa├žo des Artes, S├úo Paolo
2009  Un/M├Âgliche Gemeinschaft, Shedhalle, Zurich
Playing the City, Schirn Kunsthalle, Frankfurt
89/09, Berlinische Galerie, Berlin
Berlin, eine Stadt im Wandel, Instituto Cultural Ita├║, Vit├│ria Belo Horizonte, Brasil
2007 zwischen zwei Toden, ZKM Karlsruhe
Wege aus der Kunst, Lothringer13, Munich
Rock'n Video, MAC/VAL - Mus├ęe d┬┤Art Contemporain du Val de Marne, Vitry-sur-Seine
2006 Von M├Ąusen und Menschen, 4th Berlin Biennale, Berlin